141 Jahre im Besitz der Familie Fleischmann

1. Generation


1861 finden wir erstmals Simon Fleischmann auf der Fuchsmühle. Er war Müller und heiratete die ein paar Jahre ältere Witwe seines Vorgängers, Anna Maria Joerg, geb. Gerngroß, aus Jahrsdorf gebürtig. Er hatte mit Anna Maria drei Söhne und vier Töchter. Simons Vater war Wirt in Oberölsbach bei Gnadenberg in der Oberpfalz und die Mutter die Tochter eines Lehrers.
Der Familienname Fleischmann ist auch auf der nahen Lochmühle bei Oberrödel zu finden. Beide Linien sind sogenannte Geschwisterkinder, die einst in der Vater- und Mutterlinie miteinander verwandt waren (die dritte Generation). Müller haben meist in ihrem Stand geheiratet. Sie waren damals gegenüber der weiteren Landbevölkerung meist gut gebildet, da sie schon früh ihrer Herrschaft gegenüber schriftliche Rechenschaft (Buchführung) ablegen mussten.

1863/64 finden wir in Mittelfranken noch 1128 Getreidemühlen und 378 Sägemühlen, meist miteinander kombiniert wie in der Fuchsmühle. Eine Getreidemühle hatte damals im Durchschnitt etwa 500 Menschen zu versorgen. 1983 soll es im ganzen Bundesgebiet Deutschlands nur noch 700 solcher Mahlbetriebe gegeben haben und heute ist die Zahl verschwindend gering.
 Simon baute am Laffenauer Wasser eine weitere Säge, diese hatte ein eisernes Werk von der Firma Keck aus Nürnberg. Eisen löste nun den Baustoff Holz im Mühlenwesen ab. Seine Kinder Franziska, Josef und Walburga erhielten laut Übergabevertrag von 1892 an den Sohn Franz Anton, ihr Elterngut vorzeitig. Dafür musste allerdings Grund der Fuchsmühle verkauft werden.

Die Fuchsmühle 2002. Bild: Franz Prommersberger.

2. Generation

1892 heiratete Franz Anton die Tochter eines Lehrers, Amalia Sonntag.

Ein stolzes Paar, Franz Anton und Amalie 1892. Bild: Familie Fleischmann.

Sie hatten miteinander 14 Kinder. Um seine große Familie anständig zu ernähren, ließ sich Franz Anton so manches einfallen. Er erweiterte die Fischzucht und vergrößerte den Mühlweiher 1902 und 1905. Franz Anton verstarb überraschend 1915 mit 52 Jahren an Herzschlag. Amalie führte nun als Mühlbesitzerswitwe mit ihren Kindern in Erbengemeinschaft den Betrieb weiter. Der gleichnamige Sohn Franz Anton, der als Nachfolger vorgesehen war, fiel 1916 im 1.Weltkrieg. Auch der Sohn Johann, der seit 1910 Müllergeselle war, musste in diesen Krieg.
Mühlennachwuchs Johann mit dem Mühlenhund. Bild: Familie Fleischmann.

Von großen Trockenheiten, strengen Wintern mit Eisgang, vielen Hoch- und Niedrigwassern, Unfällen und Hypotheken wissen alte Mühlenakten zu erzählen. Die Kriege und die Industrialisierung gingen an den alten Mühlen nicht spurlos vorüber. Amalie versuchte ihr bestes, musste jedoch bereits 1920 Grund verkaufen um die Mühle zu modernisieren und ihren noch unmündigen Kindern eine anständige Ausbildung ermöglichen zu können. Sie ließ einen Dynamo einbauen, zuerst mit 60 später mit 110 Volt. Es wurde Strom erzeugt und damit die Mühle betrieben. 1927 wurde die Obere Roth zwischen Liebenstadt und Heideck reguliert und die Anlieger mit den Kosten belastet. Der jähe Tod ihres Ehemannes, zwei Söhne fielen im ersten und zweiten Weltkrieg, drei Kinder verstarben in jungen Jahren und drei Töchter gingen als Nonnen in Klosterdienste, Amalie gingen bis zu ihrem Tod im Jahre 1949 die Sorgen nicht aus.


Klein-Venedig am Fuchsmühlweiher

Durch Beamtenfamilien aus Hilpoltstein begann bereits vor dem 1. Weltkrieg der Badebetrieb im Weiher der Fuchsmühle. An Familien aus der Beamtenschaft Hilpoltsteins, wie die Lehrerfamilie Korinski aus Hofstetten, und eine Fabrikantenfamilie aus Nürnberg verpachtete man Uferstücke des Mühlweihers. Diese Familien errichteten dort ihre Badehäuser.

Badehaus-Idylle am Fuchsmüller-Weiher. Bild: Familie Fleischmann.

Die Fuchsmühle wurde schnell zum Mekka für Sonnenhungrige und Badelustige, ein kleines Venedig war entstanden. Die Badegäste mussten natürlich Eintritt bezahlen.
Familien- und Einzeldauerkarten für den Fuchsmühlweiher 1931. Archiv: Familie Fleischmann.

Dieter, der jetzige Besitzer in der fünften Fleischmann-Generation, kann noch heute Badescheine aus dieser Zeit vorzeigen. In der Liste der Dauerkarten sind zum Beispiel aufgeführt: Dr. Schwarz, Heideck; Dr. Regensburger, Hilpoltstein; Oberamtsrichter Esper, Hilpoltstein; Bezirksarzt Vorndran; Familie Millizer, Hilpoltstein; Oberlehrer Brunner, Selingstadt; Bogner, München usw. Leute mit Rang und Namen trafen sich zum Baden im moorigen Fuchsmühl-Weiher.

So mancher Eckersmühlener, Heidecker, Hilpoltsteiner, Nürnberger oder sogar Münchener hat in diesem Gewässer das Schwimmen gelernt. Nach Errichtung eines eigenen Freibades in Hilpoltstein ließ dann in den 50er Jahren zwangsläufig das Freibad-Geschäft auf der Fuchsmühle nach.

Hilpoltsteiner beim Bad im Fuchsmühl-Weiher. Bild: Reinold, Hilpoltstein.

1950 war es Johann und seinen Karpfen sogar zuviel geworden, das unbezahlte Baden im Fuchsmühlweiher. Er setzte in das Anzeigenblatt des Landkreises Hilpoltstein dieses Badeverbot:
Es wurde von der Dorfjugend in Unterrödel trotzdem „kostenlos“ weiter gebadet. Man ließ sich nur nicht erwischen!


3. Generation
Johann Fleischmann machte 1910 die Müllerprüfung. Dann musste er in den ersten Weltkrieg und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse:
Johann kehrte zurück und heiratete 1930 Maria Greppmayr. Diese war die Tochter eines Gutsbesitzers der über 600 Tagwerk (über 200 ha) Grund in Steinerskirchen, Gemeinde Freinhausen bei Schrobenhausen, besaß. Sie brachte ein stolzes Heiratsgut von 12 500 Reichsmark mit. Johann übernahm 1931 die Mühle. Damals besaß diese drei Gänge, davon einen Gerbgang. In diesem wurde Dinkel, eine Weizensorte, zu Kern verarbeitet, der ein sehr feines weißes Mehl ergibt.
Johann mit seiner Frau Maria, rechts die Tochter Rosemarie und der Sohn Johann Karl. Bild: Familie Fleischmann.

Mit Maria hatte Johann die Kinder Johann Karl und Rosemarie. An Vieh hatte Johann bis zu zwölf Stück und bis zu vier Pferde im Stall stehen. Er machte alle zwei bis drei Wochen Getreide- beziehungsweise Mehlfuhren nach Jahrsdorf und Sindersdorf.
Aus der Säge verkaufte er Bretter nach Fürth, eine Fuhre waren etwa 500 Stück und brachte ca. 100 Mark. Diese Fuhren unternahm der Mühlknecht, er machte bei der Familie Drechsler in Wolkersdorf Rast zum Füttern und Tränken der Pferde. In der Nacht zum Samstag musste der Knecht auf der Mühle zurück sein. Auch Johann hielt den Betrieb mit viel Mühe in Gang.
Auch in den zweiten Weltkrieg musste Johann ziehen. Er kehrte 1947 endlich zurück. In dem „Report of Property Taken under Controll“ seiner Einkommens- und Vermögensaufstellung über die Fuchsmühle, verfasst von der amerikanischen Militärregierung, heißt es „mill is out of work“ (Mühle ist außer Betrieb). Weiter heißt es „dwelling house, barn, stable in good condition. Mill in middling condition. Inventory and machines of the mill are incomplete and therefore useless.” (Wohnhaus, Scheune, Stall in gutem Zustand. Mühle in mittelmäßigem Zustand. Inventar und Maschinen der Mühle unvollständig und deshalb unbrauchbar. 1949 riss Johann deshalb die Säge neben dem Haus weg und baute eine neue Mühleneinrichtung, eine Mühle mit einem Gang und zwei Stühlen. Die Mühle wurde nun mit einer Oßberger Turbine aus Talmässing angetrieben.

Links neben dem Mühlengebäude stand die alte Säge. Bild: Familie Fleischmann.

In der Fuchsmühle hatte man Franzosensteine zum Mahlen. Diese Steine bestanden aus französischem Süßwasserquarz. Sie waren härter als die Mühlsteine aus dem nahen Sandsteinbruch in Wendelstein. Die „Franzosen“ hatten eine Lebensdauer von ca. 80 Jahren und man brauchte für sie zwei Tage zum Schärfen. In dieser Zeit und bei Hochwasser stand die Mühle natürlich still. Das Müllerleben war kein romantisches Leben. Es war eine harte Arbeit, die meist um vier Uhr am Morgen begann und spät in der Nacht endete. Außerdem gehörte zu einer Mühle meist Fisch- und Landwirtschaft im Nebenerwerb. Personal wurde sparsam eingesetzt. Die Fuchsmühle wurde 1950 als Einöde beschrieben mit 14 Bewohnern. Auch in der Fuchsmühle hat man nach dem Krieg Flüchtlinge aufnehmen müssen. Erstmals 1952 fing man an, in der Fuchsmühle eine Gastwirtschaft zu betreiben.
4. Generation
Johann Karl, der nächste Müller, steht selbstbewusst in der alten Mühlentüre. Bild: Familie Fleischmann.


1965 nach der Scheidung von Johann Karl und Hertha wurde bis 1968 die Gastwirtschaft und Nebengebäude an den Münchener Donisl (alte Wache)-Wirt Bauer verpachtet und es wurde ein Reitstall betrieben. Es folgten bis 1978 verschiedene Pächter, zuletzt ein Prinz von Auersberg.

Fuchsmühle 1971, ein Bräutigam sucht seine Braut. Bild: Prommersberger, Unterrödel.

1973 zählte man vier Bewohner im Ortsteil Fuchsmühle. 1974 brannte im August der alte Fachwerkstadel mit Schweinestall und Geräteschuppen ab. Nach 1978 standen die Gasträume über fünfzehn Jahre leer und es wurde nur noch die Landwirtschaft geführt.
Links die alte Fachwerkscheune mit Saustall und Schuppen wurde 1974 ein Raub der Flammen. Der alte Backofen rechts konnte bei der Sanierung nicht mehr gerettet werden. Bild: Familie Fleischmann.